Machbarkeitsstudie zur Ein-Standort-Strategie Congress Centrum Saar

AUSGANGSLAGE

Die Fortentwicklung Saarbrückens als attraktiver Messe- und Kongressstandort ist ein bedeutendes Projekt zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Saarland und zentraler Baustein zur städtebaulichen Entwicklung der Landeshauptstadt Saarbrücken.
Im städtebaulichen Ideenwettbewerb Tallage Alt-Saarbücken 2017 schlugen wir ein innerstädtisches Messe- und Kongresszentrum mit Eventbereich vor, beiderseits der Saar, verbunden mit einer Fußgängerbrücke. Durch einen architektonisch-städtebaulichen Testentwurf sollte nun geklärt werde, ob Neubauten einer multifunktionalen Eventhalle für ca. 6.500 Personen sowie eines neuen Kongressgebäudes im Kontext der Congresshalle (Ein-Standort-Strategie) realisierbar sind.

Die zentrale Lage des Untersuchungsgebietes in Saarbrücken bietet Standortvorteile für den Neubau einer Multifunktionshalle „Messen / Kongresse / Kultur“: die unmittelbare Anbindung an die bestehende Congresshalle, eine gute Erreichbarkeit, die Einbindung in ein durch die Maßnahme belebtes Umfeld und die günstige Nähe zu attraktiven Zielen der Landeshauptstadt.

Gleichzeitig ist der konkrete innerstädtische Standort mit besonderen Herausforderungen konfrontiert: Eine große Kubatur muss in das dichte Gefüge der Stadt integriert werden. Die Qualität der öffentlichen Freiräume muss ebenso sichergestellt werden wie die funktionierende Anbindung an übergeordnete Wegenetze aller Verkehrsarten, insbesondere auch der Fuß- und Radwege. Die Restriktionen des Standorts und des Bestands im Hinblick auf die betrieblichen Abläufe müssen berücksichtigt und minimiert werden. Die gewünschte Trennung der Bereiche „Kongress“ und „Multifunktionalität“ bei gleichzeitiger Anbindung an das Bestandsgebäude ist gleichermaßen funktional und gestalterisch zu lösen, ebenso wie Andienung, Lärmschutzmaßnahmen, Parkflächen für Veranstalter und Besucher, Verkehrs-, Foyer- und Sammelflächen im Brandfall, Barrierefreiheit u.v.m… Den Belangen des Denkmalschutzes und anderer öffentlicher Belange muss dabei Rechnung getragen werden.

 

ZIELE

Ziel dieser Untersuchung ist es, die aufgrund der Beschränkungen des Standorts prognostizierten betrieblichen Nachteile zu minimieren und darüber hinaus Chancen aufzuzeigen, die sich aus der spezifischen Situation ableiten lassen.
Für einen nachgelagerten Realisierungswettbewerb sollen Potentiale identifiziert, Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt, Ziele geschärft sowie Schwerpunkte und planerische Leitplanken erkennbar werden.

Eingebettet in das „Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Städtebauförderung – Saarbrücken“ soll der städtebauliche Entwurf den anspruchsvollen Zielen und Förderkriterien des Bundes entsprechen. Dabei sollen neue Wege zur Lösung für die zukunftsorientierte Stadtentwicklung entwickelt werden, die mit beispielgebenden, integrierten Entwicklungsstrategien und hohem Innovationspotential Antworten geben auf die Frage: Wie wollen wir in der Stadt von morgen leben und arbeiten? Was setzt Maßstäbe im Städtebau?

 

ARBEITSPROZESS

Die verschiedenen Arbeitsstände wurden von anderen fachlichen Disziplinen flankiert, in zahlreichen Arbeitssitzungen mit Betreibern, Baudezernat, Stadtplanung, Verkehrsplanung, Denkmalpflege, Brandschutzexperten, Bauaufsicht und diversen Behörden abgestimmt und den politischen Gremien vorgestellt, diskutiert und ständig weiterentwickelt.

 

ERGEBNIS

Eine Teilüberbauung des Vorplatzes mit Anbau an Saal West im Bürgerpark, die Überbauung des Parkhausdecks und eine Kombination aus beiden sind aus mannigfaltigen Gründen nicht zielführend. Eine Realisierung des Raumprogramms als vom Bestand abgelöster Baukörper nur auf dem Vorplatz ist nicht möglich. Möglich wird sie erst durch die planerische Verschmelzung mit dem Bestand – aus Abstandsfläche wird Nutzfläche. Die damit verbundenen Fragestellungen des Denkmalschutzes und der Logistik wurden grundsätzlich gelöst.
Besondere Chancen für das Veranstaltungsportfolio ergeben sich aus der Möglichkeit, den neuen Kongressbereich und die Eventhalle gemeinsam mit der Congresshalle, sowohl im Ganzen als auch in feinkörniger Trennung zu bespielen. Besondere Herausforderungen stellen Emissionsschutz und die logistischen Lastfälle „Event“ und Messe dar.

 

FAZIT

Durch den Testentwurf wurde nachgewiesen, dass das vorgegeben Raumprogramm am Standort Hafenstraße – Bebauung nur des Vorplatzes – im Rahmen einer Ein-Standort-Strategie machbar ist. Die Lösungsansätze, in denen ein Randbereich des Bürgerparks zu Bebauung vorgesehen war, haben sich als nicht zielführend erwiesen.

Eine singuläre, aus den Beschränkungen und Möglichkeiten des Standortes erwachsene und aus üblichen Schemata herausragende Veranstaltungsimmobilie bietet hinsichtlich wirtschaftlich-betrieblicher Synergien, Ermöglichung großer Veranstaltungsformate, Sekundärnutzen und städtebaulichem Benefit erhebliche Chancen. Hierin ist sie der separierten Verortung von Kongress und Event (Zwei-Standort-Strategie) überlegen. Damit bietet die Ein-Standort-Lösung an der Congresshalle im Vergleich zu anderen Standorten beste Chancen. Sie kann zukünftig durch fruchtbare Verknüpfung wirtschaftlicher und kultureller Aktivitäten das Image von Stadt und Land positiv prägen.

Einsparpotentiale und Effizienzsteigerungen lassen sich durch Wahl eines geeigneten Hallentypus sowie durch verstärkte Multifunktionalität von Programmflächen erzielen.

Im Hinblick auf Finanzierungsvolumen, Projektsteuerung und fachlicher Konsolidierung innerhalb eines begrenzten Zeithorizontes ergeben sich besondere Herausforderungen für alle beteiligten Akteure. Modernisierung des Bestandes, Neubau und städtebauliche Einbindung müssen dabei zusammen gedacht werden.

Vorplatz West

Foyerbereich

 

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